Wir bei Tesla – MehrWert mit Tarif

Der Hintergrund

Der Hintergrund

Arbeit bei Grohmann Engineering

Klaus Grohmann war ein Patriarch, so wie man sich einen vorstellt. Er war es im Positiven und im Negativen. Er machte seine Firma in der Eifel zu einem der führenden Spezialmaschinenbauer Deutschlands, vielleicht sogar in der Welt. Es war seine Idee, seine Firma. Leider zeigte er es aber auch sehr deutlich, dass keine Meinung neben ihm wirklich geschätzt oder gar geachtet wurde. Diese persönliche Schwäche führte zu einer ineffizienten Führungs- und letztlich auch Betriebsstruktur. Denn Grohmann hatte Erfolg, aus einer kleinen Idee wurde ein großer mittelständischer Betrieb mit knapp 700 Beschäftigten. Von Mitbestimmung hielt er nicht viel, leider auch nicht von guten Löhnen und geregelten Arbeitszeiten. R war ein Tüftler, der auch unerbittlich zu sich selbst war, er verlangte diese Opferbereitschaft auch von seiner Belegschaft, bis zum Schluss. Mitbestimmung, Gewerkschaft, all die demokratischen Errungenschaften der Wirtschaftsdemokratie fiel im schwer zu akzeptieren.

 

Von Grohmann zu Tesla

Es war ein Paukenschlag als verkündet wurde, dass Tesla Grohmann gekauft habe. Klaus Grohmann bliebe bis zu einem nahen Zeitpunkt, der aber auch mehrere Jahre umfassen könne, einer der Geschäftsführer. Die Kunden von Grohmann würden aber alle beliefert werden und sollten weiter gehalten werden. Analysten waren schon damals skeptisch. Denn Grohmann entwickelte sich von einem Premium-Zulieferer der Automobilindustrie über Nacht zu einem Konkurrenten. Die Arbeitssituation ist bis jetzt so, wie sie war: es gibt unklare und intransparente Lohnstrukturen. Bezahlung nach „Nase“ ist üblich. Im Durchschnitt liegen die Löhne 30% von den tariflichen Bedingungen weg und das bei bis zu 48 Std./Woche. Einige Kollege kamen und kommen auch über die im Arbeitszeitgesetz gesetzten Normen hinaus. Hinzu kommen die Headhunter, die intransparente Angebote machen, um Fachkräfte für Tesla zu gewinnen.

Der Arbeitsmarkt in der Eifel ist aber ein Arbeitnehmermarkt. Das nahe Luxemburg zieht vom Kreis Bitburg-Prüm fast jeden Vierten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ab. In direkter Nachbarschaft zu Tesla liegen viele tarifgebundene Betriebe, wie etwa Stihl, Prüm Türenwerk, Streif, Arla, die deutlich besser bezahlen. Wie in der Vergangenheit gelingt es, Mitarbeiter zu gewinnen, aber fast genauso viele kehren dem Unternehmen den Rücken.

 

Tesla in den Tarif – um die Zukunft zu sichern

Die Belegschaft von Tesla ist verunsichert. Wie geht es weiter? Was passiert, wenn Tesla die Maschinen und das „Know-how“ hat? Was ist wenn keine weiteren Fachkräfte gewonnen werden können und sich die Investitionen nicht realisieren? Ist mein Arbeitsplatz wirklich sicher?

Es sind berechtigte Fragen und niemand, kann darauf eine Antwort geben. Die Belegschaft war es unter ihrem alten Inhaber nicht gewohnt, sich zu wehren, beteiligt zu werden und damit auch selbst Verantwortung zu übernehmen. Die Produktivität ist ausbaufähig und die fehlende Betriebsorganisation macht sich erneut als Hemmschuh bemerkbar. Es ist eine Operation am offenen Herzen.

Klaus Grohmann wurde nach Hause geschickt, seine Impulsivität wurde durch eine Wette ersetzt. Die Wette nämlich, die Tesla mit allen Kunden auf der Welt eingegangen ist: wir liefern das Model 3 fristgerecht aus. Viele Kunden habe eine Anzahlung leisten müssen, die „Shareholder“, die Börse wettet auf einen Erfolg. Die E-Mobilität ist ein Zukunftsmarkt. Die IG Metall und alle Akteure wollen, dass dies gelingt, dass dies in Deutschland gelingt und wir möchten, dass dies in Prüm passiert.

Es steht viel auf dem Spiel. Wenn es nicht gelingt, könnte Tesla an sich gefährdet sein. Möchten alle die Antwort auf ihre Existenzfragen, die oben stehen, wirklich einer Wette überlassen?

Bisher hat die IG Metall mit ihren Einschätzungen richtig gelegen, wir haben transparent gearbeitet und die Wahrheit gesagt. Der neue Arbeitgeber versprach, dass alles anders und besser wird. Bis jetzt gibt es noch mehr Mehrarbeit und jetzt sogar die Frage nach Schichtarbeit, um den Zeitplan der Wetten einzuhalten, auf Kosten der Gesundheit der Mitarbeiter. Zweitens wurde die Zusage, dass alle Kunden gehalten werden, auch nicht eingehalten. Auch wenn Tesla das in eine positive Medienkampagne kleidet, „wir brauchen niemand anderen“ und „wir sind uns selbst genug“ und „wir bauen allein die Zukunft“, ist dies de facto ein Zeichen der Schwäche. Es ist ein Eingeständnis, dass sie nicht genügend Personal gewinnen konnten, die zusätzlichen Maschinen für Tesla zu bauen. Sie brauchen alle Kapazitäten für die Maschinen ihrer „Giga-Factories“. Deswegen ist die Frage, was dann am Standort in Prüm passiert, keine Nebenfrage.

Die Sicherung der Arbeitsplätze und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen über mehrere Jahre,  ist neben den Lohn- und Arbeitsbedingungen die zentrale Forderung der IG Metall. Ein Tarifvertrag sichert die Ankündigungen des Arbeitgebers ab. Wenn er dies sowieso erfüllen möchte, dürfte eine Unterzeichnung dieser Forderung kein Problem darstellen. In Deutschland sind alle Automobilisten, egal woher ihr Mutterkonzern kommt, tarifgebunden. Wir möchten auch für den Wettbewerb, auch im neuen Markt der E-Mobilität, eine Wettbewerbsgerechtigkeit herstellen. Es darf im Sinne der Beschäftigten in Prüm nicht auf ihrem Rücken einen Dumpingwettbewerb geben.

Deswegen kämpfen wir für Tarif. Wir kämpfen diesen Kampf gemeinsam, mit den Beschäftigten, mit der Region. Für eine saubere und sichere Zukunft.