Wir bei Tesla – MehrWert mit Tarif

DGB: Weiterhin Tarifvertrag bei Tesla gefordert

Weiterhin Tarifvertrag bei Tesla gefordert

Die IG Metall stellt sich im Streit mit dem US-Elektroautohersteller Tesla auf eine lange Auseinandersetzung ein. „Wir setzen uns auch weiterhin für einen Tarifvertrag ein“, sagt Uwe Herzig, Betriebsvorsitzender von Tesla Grohmann in Prüm. Derzeit verhandelt der Betriebsrat mit dem Unternehmen über eine Entgeltstruktur. Von einem Tarifvertrag will die Unternehmensleitung weiterhin nichts wissen. Stattdessen reagierte Tesla auf die Forderungen der Gewerkschaft mit einem Aktienprogramm und sprach eine Beschäftigungsgarantie aus.

Tesla

Fast 30 000 Menschen arbeiteten 2016 für Tesla, schätzen Experten.

Massenmarkt als Ziel

Tesla-Chef Elon Musk hatte im vergangenen Jahr den hochspezialisierten Maschinenbauer Grohmann in der Eifel gekauft, um die Kapazitäten des Unternehmens für seine ehrgeizigen Pläne zu nutzen. Musk versteht sich als Pionier der Elektromobilität und will mit neuen Mittelklassemodellen den Massenmarkt erobern. Deshalb ist Tesla weltweit auf Einkaufstour. Teslas Übernahme-Deal in Deutschland hatte Aufsehen erregt, zumal der amerikanische Unternehmer mitteilte, Verträge mit Altkunden zu kündigen. „Von jetzt an wird nur noch für Tesla produziert“, lautete die Devise.

Elon Musks Schritt verunsicherte die Belegschaft, denn Grohmann ist ein alteingessener Maschinenbauer und war über Jahre gut im Geschäft. Das Unternehmen lieferte Maschinen für renommierte Autohersteller und -zulieferer wie Daimler-Benz, BMW oder Bosch. Angesichts der neuen Unsicherheit konnte die IG Metall viele neue Mitglieder in dem Unternehmen gewinnen. In einer Mitgliederversammlung verabschiedeten die Metaller einen Forderungskatalog und verlangten, dass die Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie nun endlich angewendet würden und die Entgelte entsprechend angehoben würden. Auch das Wort Warnstreik fiel.

Tarifvertrag macht attraktiv

Rumort hatte es in dem Unternehmen aber schon vor der Übernahme, und schon vor einigen Jahren hatte die IG Metall begonnen, in dem Betrieb um Mitglieder zu werben. Unternehmensgründer Klaus Grohmann, der nach dem Verkauf mittlerweile ausgeschieden ist, operierte ohne Tarifvertrag mit Entgelten, die 25 bis 30 Prozent unter dem Flächentarifvertrag lagen. Der Standort in der strukturschwachen Eifel kam ihm dabei entgegen. Diese Strategie passt freilich nicht mehr in die Zeit. Längst ist auch in der Eifel Facharbeitermangel ausgebrochen. Viele Arbeitnehmer dort pendeln über die Grenze ins nahe Luxemburg, weil dort bessere Löhne gezahlt werden. „Ein Tarifvertrag würde auch die Attraktivität des Arbeitgebers steigern“, argumentiert Betriebsrat Uwe Herzig. Bei der Übernahme erklärte Musk, er wolle weitere 1000 Beschäftigte einstellen. Wie er die in die Eifel locken will, ließ er offen.

Die Auseinandersetzung mit Tesla ist deshalb so spannend, weil der US-Elektroautobauer rasant wächst, überwiegend durch Zukäufe. Mittlerweile hat Tesla weltweit rund 30000 Beschäftigte. Für sein neues Mittelklassemodell gibt es Hundertausende von Vorbestellungen. Tesla könnte sich zu einem großen Autokonzern entwickeln. Der Autobauer ist zudem ein Beispiel für das aggressive Gebaren amerikanischer Konzerne, die nach Deutschland expandieren und sich hier am bewährten Sozialpartnermodell abarbeiten. So kämpft etwa ver.di bei Amazon seit Jahren für Tarifbindung.

Einmalzahlung und Aktien

Auf die Forderungen der IG Metall reagierte Tesla mit einer Einmalzahlung, einer Anhebung der Entgelte um 150 Euro und einem Aktienprogramm: Jeder Beschäftigte erhält Aktien im Wert von 10000 Euro. Der Branchenneuling Tesla wird an der Börse mit rund 50 Milliarden Dollar taxiert und ist damit der wertvollste Autobauer Amerikas. Außerdem hat der Autobauer eine Beschäftigungsgarantie für die nächsten fünf Jahre abgegeben. Der IG Metall reicht das nicht, sie will verlässliche Bedingungen durch einen Tarifvertrag. Derzeit hat die Gewerkschaft etwas Tempo aus der Auseinandersetzung genommen, um Gespräche zu ermöglichen. Anschließend sollen die Ergebnisse den Beschäftigten vorgelegt werden.

Zugleich ist Tesla-Gründer Elon Musk in den USA wegen schlechter Arbeitsbedingungen unter Druck geraten. Arbeiter in dem kalifonischen Werk in Freemont berichteten von überlangen Arbeitszeiten, hohem Arbeitsdruck und Unfällen. „Ich habe gesehen, wie Leute ohnmächtig wurden, auf den Boden geknallt sind und sich das Gesicht aufgeschlagen haben“, zitiert die britische Zeitung Guardian einen Arbeiter. Er und seine Kollegen hätten um den Ohnmächtigen herum weiterproduzieren müssen.

Chefsache Sicherheit

Der aufsehenerregende Bericht bedeutete einen Image-Schaden für Tesla-Gründer Elon Musk, der sich gerne als Weltverbesserer gibt. In einem Memo an die Beschäftigten erklärte er Sicherheit daraufhin zur Chefsache. Künftig müsse jeder einzelne Arbeitsunfall ihm persönlich berichtet werden.

Zuerst erschienen auf: www.dgb.de

 

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